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Du fühlst dich übersehen? Sieh’ dich selbst!

Übersehen zu werden kann sich vernichtend anfühlen.
Als seien wir nicht wichtig, nicht wert, beachtet zu werden. Von Grund auf bedeutungslos.

So wahr sich anfühlt, was wir in diesen Momenten fühlen – die Wahrheit bleibt, dass wir immer wichtig genug sind, um gesehen zu werden. Die Wichtigkeit unserer Bedürfnisse, unserer gesamten Existenz hängt nicht davon ab, ob andere Menschen sie zu jeder Zeit anerkennen können.

Wenn wir übersehen werden, dann liegen die Gründe beim anderen Menschen: Er hat uns nicht wahrgenommen, er war in Gedanken, er ist mit eigenen Bedürfnissen beschäftigt, er reagiert eigene innere Konflikte an uns ab (was nicht fair ist, aber trotzdem nichts darüber aussagt, ob wir eigentlich verdient hätten, gesehen zu werden).

Was andere Menschen tun und lassen, kann niemals eine Aussage über unsere Bedeutung in der Welt sein, sondern immer nur ein Ausdruck ihrer eigenen Verfassung, ihrer Stärken, ihrer Unzulänglichkeiten. Es ist in Ordnung, wenn wir in solchen Situationen Ärger, Trauer, Enttäuschung, Angst fühlen: Wichtige soziale Bedürfnisse werden nicht erfüllt, wenn wir übersehen werden. Wir dürfen dann für uns sorgen: Das Unrecht ansprechen, die Situation verändern, die Menschen verlassen.

Wenn wir uns durch das Nicht-Gesehen-Werden aber tief getroffen fühlen; wenn die Handlung eines anderen Menschen uns an unserer Bedeutung zweifeln lässt, dann ist Zeit, dass wir uns selbst überprüfen:

Wo sehe ich mich nicht?
Wie kommt es dazu, dass ich selbst glauben kann, ich sei es nicht wert, gesehen zu werden?

Sehe ich mich genug, indem ich meine eigenen Gefühle über das Übersehenwerden wahrnehme? Oder grüble, analysiere und diskutiere ich?

Sehe ich mich genug, wenn ich mich nicht für die Erfüllung meiner Bedürfnisse einsetze, nur weil ein anderer Mensch mein Bedürfnis übersehen hat?

Sehe ich mich genug, wenn ich in einer Situation verharre, die mir nicht gut tut (toxische Partnerschaft, Mobbing am Arbeitsplatz, …)?

Ich glaube nicht, dass es auf solche Fragen eindeutige Antworten gibt, aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir sie uns stellen.

Wenn wir übersehen werden und uns das so sehr weh tut, dann haben wir es verdient, dass wenigstens wir selbst genau hinsehen, was diese Situation für uns bedeutet und was wir mit uns selbst machen, wenn wir in dieser Situation sind.

Wenn wir uns gesehen fühlen wollen, dürfen wir uns selbst sehen. So wächst mit der Übung unsere Gewissheit darüber, dass wir ganz grundsätzlich wert sind, gesehen zu werden, auch wenn andere es manchmal nicht können.

Ich hoffe, du findest in dir einen Menschen, der dich zuverlässig wahrnimmt und achtet!

Deine Nathalie

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