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In guten Zeiten für die seelische Krise vorsorgen

Wir können nur in geringem Umfang beeinflussen, welche Unruhen, Probleme und Krisen uns ereilen. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel geschrieben.

Was wir beeinflussen können, ist unsere „Krisenfestigkeit“:

Wie gestärkt gehst du in die nächste Krise? Mit welchen Strategien bist du ausgerüstet?

Es gibt Verhaltensweisen, Denkweisen und Lebensweisen, um die wir uns zu jeder Zeit bemühen können um auf Krisen besser vorbereitet zu sein.

Verhaltensweisen

Verhaltensweisen müssen eingeübt werden, damit sie in der Krise besser abrufbar sind.

Hilfe annehmen und um Hilfe bitten.

Ich weiß, Hilfe anzunehmen ist schon schwer genug. Dann auch noch darum bitten? Für mich war das vor einigen Jahren eine schlimme Vorstellung. Ich mochte einfach niemanden belästigen.

Aber: Menschen sind im Allgemeinen nicht nur hilfsbereit, sondern helfen richtig gern. Vielleicht kennst du diese Freude, jemandem nützlich gewesen zu sein, ja von dir selbst?

Wir dürfen üben, im Alltag zu fragen: Kannst du mir helfen?

Denn: Wie tief wir in eine Krise hineingeraten und wie lang wir brauchen, um sie zu überwinden, hängt auch davon ab, in welchem Maße wir in der Lage sind, unserer Umwelt zu signalisieren, dass wir Hilfe brauchen und die Hilfe anzunehmen, die uns angeboten wird.

Sich Zeit für sich selbst nehmen (und kultivieren).

Es sollte normal sein für dich und deine Umwelt, dass du dir Zeit für dich nimmst. Du brauchst sie, um dich selbst immer besser kennen zu lernen und dich emotional zu versorgen. So entwickelst du einen immer besseren Zugang zu deinem Innenleben.

In der Krise selbst wirst du nicht nur davon profitieren, dass du diesen Zugang ausgebaut hast und es aushalten kannst, mit dir allein zu sein; du kannst die freie Zeit, die du dir ohnehin gewidmet hättest, gut gebrauchen um ganz bewusst die krisenhaften Gefühle zu fühlen. Aber auch, um ganz bewusst etwas ganz anderes zu erleben in dieser Zeit und damit für Ausgleich zu sorgen.

Fair mit sich selbst umgehen.

Hast du beobachtet, wie nachsichtig du mit anderen sein kannst und wie hart zu dir selbst? Was wir bei anderen gut entschuldigen können (Das kann jedem passieren. Du hast Pech gehabt. Und wenn schon? Jeder irrt sich mal!), ist unverzeihlich, wenn es uns passiert (Ich hätte echt besser aufpassen sollen. War ja wieder klar. Ich bin echt unfähig.).

Fang‘ doch jetzt schon an immer fairer zu dir selbst zu sein. Frag‘ dich: Wie würde ich auf einen Menschen reagieren, den ich sehr liebe? Was würde ich ihm in dieser Situation sagen?

Gerade in Krisen entscheidet das Maß deiner Fairness im Umgang mit dir selbst mit darüber, wie tief und wie lang die Krise sein wird.

Tröstliches kennen und parat haben.

Als du ein Kind warst, wussten deine Eltern bestenfalls, was sie für dich tun können, um dir in schwierigen Situationen gut beizustehen: Lieblingskuscheltier reichen, Benjamin Blümchen abspielen und Rücken streicheln oder so.

Wie steht’s heute mit dir? Weißt du, was du dir Gutes tun kannst, um dir beizustehen? Gibt es Gegenstände, Musik, Geschichten, Tätigkeiten, die dir helfen, dich mit dir selbst zu verbinden? Die dir das Gefühl geben, dass vielleicht doch nicht alles verloren ist?

Mach‘ dir eine Liste und bewahre sie gut auf. Wenn dir noch etwas einfällt, kannst du sie immer updaten. So hast du sie verfügbar, wenn du sie brauchst und kannst in der Krise besser für dich sorgen.

Denkweisen

Wir können üben, anders über Gegebenheiten zu denken. Je öfter wir das selbe Denkmuster bewusst abrufen, desto leichter fällt es unserem Gehirn, auch mal im Autopilot darauf zurückzugreifen. Und das kann sich in einer Krise lohnen.

Wissen, dass es völlig normal ist, Probleme zu haben.

In diesem Artikel habe ich bereits darüber berichtet – Probleme sind normal. Ok, Krisen im großen Ausmaß sind hoffentlich die Ausnahme. Aber dass es uns immer wieder schlecht geht, gehört nun mal dazu. Daran ist nichts Verwerfliches und es handelt sich bei deiner „Phase“ auch nicht um einen Beweis, dass du im Leben versagst.

Je besser es dir gelingt, Probleme auch im Alltag als das anzunehmen, was sie sind – eine Nebenwirkung des Lebendigseins – desto leichter wird es dir fallen, dich in der Krise auf das Wesentliche zu konzentrieren, anstatt dich zusätzlich noch mit Selbstvorwürfen und Schuld zu belasten.

Das Machbare im Blick behalten.

Wir neigen dazu, eher die Dinge im Blick zu haben, die uns blockieren oder die gerade blockiert sind. Darüber vergessen wir, was trotzdem gerade möglich ist.

Ich will damit nicht sagen, dass wir „positiv denken“ sollen. Es gibt nichts Schönzureden, wenn es uns gerade nicht gut geht oder wir uns in Umständen wiederfinden, die uns nicht passen.

Wir können aber neben das, was gerade nicht geht, das stellen, was gerade geht:

Ja, ich habe Liebeskummer und Vieles fühlt sich gerade sinnlos an und das Konzentrieren fällt mir schwer. Ich mag aber meinen Job und kann jeden Tag die Arbeiten erledigen, die mir leicht von der Hand gehen. So kann ich trotzdem am Ball bleiben.

Auf diese Weise vermeiden wir, in ein Gefühl der Ohnmacht zu rutschen. Manchmal können wir nicht viel tun, manchmal fast gar nichts. Aber das, was wir tun können, sollten wir uns immer wieder bewusst machen, damit wir zu all dem Schmerzenhaften, was die Krise mit sich bringt, uns nicht auch noch völlig handlungsunfähig fühlen müssen.

Lebensweisen

Und schließlich gibt es noch einen Rahmen, innerhalb dessen unsere Krisen stattfinden: Unseren Körper und unser soziales und materielles Umfeld. Je günstiger dieser Rahmen, desto leichter lässt sich die Krise ertragen.

Lebensumstände verbessern

Du brauchst Lebensumstände, die dir gut tun und du darfst dich jeden Tag ein bisschen darum bemühen. Das ist in jedem Fall förderlich für die Lebensqualität und in Krisen stärkt es dir den Rücken oder schwächt dich zumindest nicht zusätzlich.

Was können solche Lebensumstände sein?

  • Wohnort, Wohnviertel und die Wohnung selbst.
  • Deine Einrichtung und das allgemeine Ordnungs- und Sauberkeitslevel.
  • Die Anzahl an Pflanzen und Tieren mit denen du Raum, Zeit und Lebensenergie teilst.
  • Hobbys und Engagement wie Vereinsmitgliedschaften, Ehrenämter, Volkshochschulkurse etc.
  • ….

Du darfst in guten Zeiten deine Lebensumstände prüfen: Was baut dich auf, was stabilisiert dich, was stützt dich? Was schwächt dich, was ärgert dich, was nervt dich?

Einen nährenden Lebensstil pflegen

Ich kann nur wiederholen, was unzählige Menschen vor mir gesagt haben:

Genug schlafen, gesund ernähren, regelmäßig bewegen, Gifte vermeiden.

Warum es so oft wiederholt wird?

Weil es stimmt.

Unterversorgst du deinen Körper, setzt du Stresskreisläufe in ihm in Gang, die auch dein seelisches und emotionales Gleichgewicht stören. So gerätst du schneller in Krisen und hast es schwerer, rauszukommen.

Ein gut versorgter Körper hat es in der Krise leichter mit dir. Und du mit ihm.

Unnötige Problemherde entfernen.

Sicherlich der schwierigste Punkt auf der Liste, aber auch sehr wirkungsvoll:

Ja, viele Probleme und Krisen können wir nicht beeinflussen. Wir müssten aufhören, am Leben teilzuhaben, wenn wir sie vermeiden wollen. Und dann hätten wir auch ein Problem.

Aber es gibt auch vermeidbare Problemquellen: Menschen, die uns regelmäßig ein schlechtes Gefühl machen. Eine Arbeit, die uns körperliche und/oder seelische Schmerzen zufügt. „Verpflichtungen“, die immer wieder zu Streit führen (Wer sagt, dass die Reinigung des gemeinsamen Wohnraums nicht aus der Partnerschaft ausgelagert werden darf?).

Je besser wir es schaffen, unnötige Problemquellen zu identifizieren und zu beseitigen, desto mehr Kraft haben wir um Krisen auszuhalten und für uns selbst zu sorgen.

Die Kunst ist, die nötigen von den unnötigen Problemquellen zu unterscheiden. Eine Freundin fallen zu lassen, weil sie gerade eine schwere Zeit durchmacht, wäre nicht liebevoll. Auch nicht uns selbst gegenüber, wenn wir die Freundin gern haben. Uns von einer Freundin zu distanzieren, die uns emotional erpresst, anlügt, manipuliert, kann dagegen sehr erleichternd sein.

Womit kannst du heute anfangen, dich krisenfester zu machen?

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