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Marie Kondo: Aussortieren als Beziehungsarbeit mit uns selbst.

Dieser Artikel ist die Fortsetzung und das Ende zu diesem Artikel, in dem ich Marie Kondos Aussortier- und Aufräummethode vorstelle. Ich hatte angekündigt, dieser Methode eine Chance zu geben, nachdem ich seit Jahren daran scheitere, so auszumisten, wie ich mir das wirklich wünsche. Ich wollte endlich frei sein von Zeug-Ecken, unnötigem Verwaltungsaufwand (= aufräumen, suchen, instandhalten), wollte mich wohlfühlen.

Keine Methode dieser Welt (übrigens egal für was), kann uns die Arbeit nehmen, die gewisse Aktivitäten nun mal mit sich bringen: So bleibt Aussortieren auch mit Marie Kondo Aussortieren. Ich finde das anstrengend. Ich fand aber auch meine gescheiterten Versuche der Vergangenheit anstrengend, die trotz der Anstrengung stets ohne große Ergebnisse blieben. Mein Aussortieren nach Marie Kondo dagegen kann sich sehen lassen. 🙂 Also gut investierte Anstrengung!

Was die Aussortier-Methode nach Marie Kondo so anders macht: Es geht um die Beziehung, die wir zu uns selbst pflegen!

Jedenfalls, wenn man es zu Ende denkt. Marie Kondo ruft dazu auf, immer wieder, unseren Besitz mit großem Respekt zu behandeln. Auch dann, wenn wir ihn weggeben. Denn Besitz ist immer auch emotional. Ein Gegenstand enthält einen Teil unserer Geschichte, weil wir ihn zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Situation mit bestimmten Gefühlen, Hoffnungen, Erwartungen angeschafft hatten.

Wir dürfen beginnen, das Aussortieren und Aufräumen als Akt der Selbstliebe zu behandeln.

Es ist nur mit einer Portion Gewalt gegen unsere eigene Person möglich, uns von Dingen zu trennen und dabei so zu tun, als hätte das mit uns selbst nichts zu tun. Genauso offenbart es eine gewisse Lieblosigkeit uns selbst gegenüber, wenn wir uns mit Dingen umgeben, die uns permanent ein bisschen schlecht fühlen lassen. Wir öffnen das Fenster, wenn uns die Luft zu stickig ist. Warum lassen wir uns dann von Gegenständen beengen? Warum erlauben wir es, dass uns Gegenstände immer wieder ein schlechtes Gewissen machen?

Das ist ja schön und gut so in der Theorie.

In der Praxis verhält es sich aber so: Ich sitze vor einer Holzmaske, die mir meine Großeltern mal von Bali mitgebracht hatten und weiß es einfach nicht. Soll ich sie behalten? Eigentlich mag ich sie. Sehr sogar. Ich denke gern an meine Großeltern. Aber sie bringt nichts. Und was ist mit den rund 10 verschiedenen Kabeln (USB auf HDMI, HDMI auf Micro-HDMI, USB A auf USB C, blablabla), die ich gefühlt nur zweimal im Jahr brauche? Sie nerven mich, wenn ich sie sehe. Kabelsalat halt, wer findet so was schon schön. Aber weggeben? Das wäre doof. Ich weiß, dass ich sie manchmal brauche. Soll ich mir dann was leihen? Das ist doch auch umständlich.

Solche Überlegungen haben in der Vergangenheit immer wieder dazu geführt, dass ich aufgeben musste. Ich konnte zu keiner Entscheidung kommen und so landeten Holzmaske und Kabel wieder in einer Schublade. Schade um die Gegenstände. Schade auch um meine Zeit und meine Mühe. Dabei kann es so einfach sein:

Marie Kondo adressiert souverän die drei häufigsten Probleme beim Aussortieren:

  1. Schön, aber sinnlos.
  2. Sinnvoll, aber nicht schön.
  3. ICH WEISS ES EINFACH NICHT :O

Schauen wir uns das mal an:

1. Es ist schön, aber nicht nützlich. Darf ich das behalten?

Vor Marie Kondo war mir völlig unklar, dass die einzig legitime Antwort auf die Frage: Es ist schön, darf ich es behalten? nur ein JA!! sein kann. Glücklich macht, was glücklich macht. So einfach ist das in diesem Fall.

Das bedeutet, dass diese Holzmaske endlich aus ihrem Schubladenversteck herauskommt und irgendwo einen Platz findet, wo ich sie auch tatsächlich sehen kann.

Jedes Teil das uns glücklich macht, hat verdient, einen ganz besonderen Platz zu bekommen, wo es seine Aufgabe – uns zu erfreuen – möglichst häufig erfüllen kann.

Selbst ein altes Handtuch, an dem wir irgendwie hängen, können wir noch verwenden, um es zum Beispiel an die Innenseite einer Schranktür zu hängen. So spricht Marie Kondo. Und ja, warum nicht?

Machen wir unsere Wohnungen zu Museen der schönen Dinge. Ich mag die Idee sehr.

2. Es ist nützlich, aber nicht schön. Soll ich das behalten?

„Does it spark joy?“ (ungefähr: „Macht es dich glücklich?“) – Für die Frage ist Marie Kondo vielleicht am bekanntesten. Ich verstehe mittlerweile, was sie meint. Es ist richtig toll, egal wohin man im Raum sieht, nur Dinge zu sehen, die einen glücklich machen. Solche Ecken hatte ich während des Aussortierens, weil ja in einer Zimmerecke nur noch das war, was ich wirklich und mit Freude behalten möchte. All die Dinge, die ich in der Hand gehalten und für die ich mich bewusst entschieden hatte auf einem Fleck. Das war ein schöner Anblick!

Was ist aber mit Sachen wie dem Pfannenwender, der Klobürste, meinem Putzeimer oder eben dem Kabelsalat? Mit Freude erfüllten sie mich nicht. Aber ich brauche sie zu oft um sie wegzugeben. Stört das nicht das KonMari-Feeling in der Wohnung?

Wir können uns nicht zwingen, irgendwas schön zu finden. Wir können uns aber bewusst werden, wie nützlich ein Gegenstand wirklich ist und so etwas wie Dankbarkeit für sein Dasein und seine Dienste in uns kultivieren. Beziehungsarbeit.

Das Wohlgefühl in der eigenen Wohnung kommt durch die Beziehung, die wir zu unseren Gegenständen pflegen.

Vielleicht kann nicht alles, was wir besitzen, unserem Sinn für Ästhetik schmeicheln. Aber wir können zu allem, was wir besitzen, eine gute Beziehung aufbauen und pflegen!

Das ist es am Ende, worauf es ankommt. Wissen, warum wir etwas besitzen. Wissen, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben. Diese Gegenstände erfüllen schließlich einen so wichtigen Zweck für uns, dass wir nicht bereit sind, sie wegzugeben. Wenn wir das wissen, können wir einen guten Platz für sie finden und uns freuen, dass sie uns das Leben erleichtern.

3. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das behalten will oder nicht!

Wenn du nicht weißt, ob du es behalten sollst oder nicht: „Pack‘ es in eine Kiste, schreib‘ das Datum drauf und was du in den nächsten 12 Monaten nicht mehr brauchst, kann weg.“

So wird es häufig vorgeschlagen.

Mir ging es damit nicht gut. Also, ich habe es gar nicht erst versucht, weil mir der Gedanke nicht gefiel, irgendwo Kisten stehen zu haben mit Dingen drin, an die ich mich gar nicht so recht erinnere. Kisten mit Dingen, um deren Inhalt ich mich in einem Jahr trotzdem werde kümmern müssen.

Aus noch ganz anderen Gründen lehnt Marie Kondo diese Methode ab. Einer der Gründe ist:

Wenn wir uns nicht entscheiden können, dann gibt es einen emotionalen Konflikt in uns, den wir klären dürfen.

Ein Jahr Pause wird daran nichts ändern. Es hilft nur Ursachenforschung: Wie kam dieser Gegenstand in meinen Besitz? Welche Gefühle waren mit ihm verknüpft, welche sind es heute? Welche Gedanken, Gefühle, welcher Sinn sprechen für das Behalten und für das Weggeben? Wenn wir aufräumen in unseren Gefühlen, können wir zur Antwort finden auf die Frage: Will ich diesen Gegenstand behalten?

Happy End mit Marie Kondo.

Ich freue mich.

Mehr als über die reduzierte Anzahl an Gegenständen freue ich mich darüber, dass ich zu allen Gegenstände, die ich besitze, nun eine bewusste Beziehung habe.

Ich weiß jetzt was ich habe und warum ich es habe. Und das nicht nur so nebenbei. Weil ich ja alles einmal in den Händen hielt und eine Entscheidung darüber traf.

Und ich habe etwas ganz Wichtiges verstanden:

Die Beziehung zu unseren Gegenständen ist bedeutsam. Sie ist ein Teil der Beziehung zu uns selbst.

Mit dieser Erkenntnis habe ich mein Zuhause nun mit viel mehr Gefühl, Dankbarkeit und Aufmerksamkeit eingerichtet.

Die KonMari-Methode hat meine Art verändert, in meiner Umgebung zu sein; mich mit ihr Verbunden und sicher in ihr zu fühlen.

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