Was es bedeutet, wenn du keinen (guten) Kontakt zu deinem Inneren Kind aufbauen kannst.

Trotz aller Bemühungen spürst du dein Inneres Kind nicht? Vielleicht hast du keins? Oder stimmt was nicht mit dir, mit ihm? Warum arbeitet es nicht mit?

Will es nun meine Zuwendung oder nicht? Die Stagnation nervt, entmutigt.

So ging es mir jedenfalls. Bis ich mit der Zeit verstanden habe:

Auch das Schweigen des Inneren Kindes ist Teil der Beziehung

Unsere Inneren Kinder sind zu jeder Zeit anwesend und aufmerksam. Das ist auch dann so, wenn wir es nicht spüren oder noch nie vom Inneren Kind gehört haben. Und das ist bei jedem Menschen so. Das hat etwas mit der Entstehungsgeschichte des Inneren Kindes zu tun.

Wenn eure Kommunikation blockiert oder gar nicht erst zustande kommt, gibt es wichtige Gründe dafür. Meistens ist es einer dieser zwei:

1) Deine Erwartungen an die gemeinsamen Erfahrungen mit deinem Inneren Kind sind unpassend.

Ich habe beobachtet, dass wir alle bestimmte Vorlieben in der Wahrnehmung unserer Inneren Kinder haben: Wir lehnen dann vielleicht das schmollende oder ängstliche Innere Kind ab, weil wir diese Gefühle nicht fühlen wollen.
Wenn wir uns unserem Inneren Kind trotzdem "pseudo"-zuwenden, weil wir meinen, dass wir das sollten, wird es den Kontaktversuch boykottieren.

Auch haben wir oft bestimmte Vorstellungen davon, wie ein Inneres Kind auf unsere Kontaktaufnahmen zu reagieren hat: Es sollte sich beruhigen lassen, sollte sich besser fühlen, wenn wir als Rettende auf die Bühne treten. Denn dann könnten wir Erwachsenen uns endlich besser fühlen. Das Innere Kind lässt sich aber nicht trösten, damit wir getröstet sind. Es lässt sich maximal trösten, wenn es spürt, dass wir es seinetwegen trösten wollen UND wenn unsere Form des Trosts gerade an der Reihe ist. Das Innere Kind weiß ganz genau, was nötig ist, damit es seine Gefühle verarbeiten kann (und das ist, was letztlich auch in unserem Sinne ist). Was nicht seiner Heilung dient, wird es entschieden zurückweisen (und damit gibt es dir wertvolle Rückmeldung).

Unser Inneres Kind ist vielleicht die einzige Instanz in jedem Menschen, die zu 100 % wahrhaftig und nicht korrumpierbar ist. Das ist gut, denn am Maß der Kooperationsbereitschaft unserer Inneren Kinder können wir ablesen, wie ehrlich und liebevoll wir schon mit uns selbst sind. Sie zeigen auf diese Weise den Weg der Heilung präzise und unfehlbar an.

2) Dein Inneres Kind misstraut dir (noch).

Die meisten von uns wurden als Kind in irgendeiner Form von ihren Bezugspersonen unterversorgt. Die Enttäuschung, der Selbstzweifel und der Schmerz darüber waren und sind stark, die Gewöhnung an die Vernachlässigung und Selbstabwertung in der Regel aber auch. Aus diesen Erfahrungen heraus "lebt" dein Inneres Kind.
Nun kommt jemand (also du, ich, wir - die inneren Erwachsenen) daher und zeigt womöglich ernsthaftes Interesse, sich ihm zuzuwenden. Das ist neu, das ist verstörend. Das Innere Kind traut dem Frieden nicht. Die Angst, in einer neu aufkeimenden Hoffnung enttäuscht zu werden, lässt es mitunter hartnäckig zögern. Unsere erste Aufgabe ist, dieses Zögern mitfühlend und geduldig zu begleiten. Wir haben immer die Möglichkeit, uns mit unserem misstrauenden Inneren Kind in Verbindung zu setzen. Dabei helfen zum Beispiel diese [Methoden](). Auch wenn es nicht reagiert; es registriert sehr wohl, wenn wir uns ihm regelmäßig und ohne Erwartungen widmen. So verdienen wir uns über die Zeit sein Vertrauen.

Ihr könnt nicht nicht kommunizieren: Kontaktlosigkeit ist der Kontakt.

Weil dein Inneres Kind immer da ist, kannst du immer mit ihm in Beziehung treten und zwar genau so, wie es gerade da ist. Vielleicht weigert es sich aktuell noch, mit dir zu reden. Vielleicht ist es wütend auf dich. Vielleicht hasst es dich. Vielleicht hat es Angst vor dir. Vielleicht ignoriert es dich provozierend. Es ist nicht seine Aufgabe, sich passend für dich zu machen. Du darfst ihm dankbar sein, dass es sich so unangenehm zeigt. Denn genau so jemanden hättest du damals gebraucht. Jemanden, der sich auf dich einlässt, genauso, wie du da bist. Nun darfst du dich auf dein Inneres Kind einlassen; genauso, wie es ist da ist.

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