Und wenn ich mich niemals lieben kann?

Meine 20er habe ich damit verbracht, auf den einen Tag zu warten, ab dem ich so richtig von Herzen "Ja" sagen kann zu mir selbst. Der Tag, ab dem alles anders würde. Alles. Ich würde selbstbewusst und glücklich sein, voller Tatkraft und Erfolg und Glück. Bis es so weit wäre, würde ich einfach Geduld haben müssen.

Während ich auf diesen goldenen Tag wartete, habe ich durchaus auch gelebt und erlebt. Aber vor allem kompensiert und betäubt, wie viel Angst und Schmerz ich empfand aufgrund meines Mangels an Liebe zu mir selbst. Ich sehnte einfach den Tag herbei, an dem alles anders wäre und ich war so sicher, dass er kommen würde. Dass ich eines morgens die Augen öffnen würde und alles wäre gut.

Irgendwann wurde ich 30 und musste feststellen, dass weder mein beharrliches Warten noch die etlichen Stunden Therapie zu meinem erleuchteten Erwachen geführt hatten. Mal mag ich mich, mal nicht. Mein Gefühle von Selbstwert und Selbstzuneigung sind nicht verlässlich da. War alles umsonst? Soll ich die Idee von der Selbstliebe aufgeben? Und was würde das für mein Leben bedeuten?

Kann ich mein Leben gern leben, auch wenn ich mich vielleicht niemals stabil lieben kann?

Die Antwort die ich gefunden habe: Ja, ich kann.

Ich kann, wenn ich aufhöre auf den Tag zu warten, an dem es "Klick" macht und alles toll ist. Ich kann, wenn ich mich immer wieder dafür entscheide, mich wie einen Menschen zu behandeln, den ich liebe.

Im Alltag bedeutet das vor allem, mich immer wieder zu fragen: Wie würde ich über mich denken, mit mir reden, mich behandeln, wenn ich mich selbst liebte?

Vielleicht kann ich mich nicht immer lieben, aber ich kann sehr wohl so mit mir umgehen, als ob. Ich will nicht mehr auf den Tag warten, an dem dieses liebevolle Verhalten aus den Tiefen meines Herzen aufsteigt. Ich weiß nicht, ob der Tag kommt. Ich will aber jetzt schon regelmäßig Momente des Friedens und der Freude erleben.

Wenn ich mein liebevolles Verhalten nicht mehr an die Bedingung knüpfe, mich selbst zu lieben, dann ist es schon ein recht bedingungsloses liebevolles Verhalten. Vielleicht komme ich damit einer bedinungslosen Selbstliebe näher, als erwartet ;)

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