Artikel
0 Kommentare

Was bedeutet es, Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen?

Ich fang’ mal von der anderen Seite an:

Einer unserer sehnlichsten Wünsche ist, so sein zu dürfen, wie wir sind. Dafür ist besonders wichtig, dass unsere Gefühle so sein dürfen, wie sie sind. Diese Erlaubnis brauchen wir vor allem von uns selbst. Dann können unsere Gefühle einfach sein und in der Folge können wir einfach sein.

Es kann uns aber richtig schwer fallen, uns selbst diese Erlaubnis zu geben. Wir haben verlernt, akzeptierend zu fühlen und sind oft überfordert mit der Intensität unserer Gefühle. Wir lehnen sie ab, weil wir nicht wissen, wie wir mit ihnen umgehen können. Die Ablehnung ist das Gegenteil der Erlaubnis: Das Gefühl ist nicht ok und darum sind wir selbst auch nicht ok, solang dieses Gefühl da ist. Und dieser Zustand ist schwer zu ertragen. Wir wünschen uns ja, sein zu dürfen, wie wir sind. Dazu muss jemand dieses Gefühl erlauben, annehmen… Wenn wir selbst es nicht können, soll es halt der:die andere machen!

Wir werfen dann gern unserem Gegenüber dieses Gefühl vor: “Ich bin eifersüchtig, weil du …!” “Du hättest xy tun müssen!” “Deinetwegen…!” und erwarten, dass dieser Mensch versteht, was er uns angetan hat. Er soll mitfühlen und bedauern. Wir versuchen auf diese Weise, die Erlaubnis für unser Gefühl einzuholen, die wir uns selbst nicht geben können. Diese Erlaubnis, die wir so dringend brauchen, um wieder in unser “Ich-darf-sein”-Gleichgewicht zu kommen.

Immer dann, wenn wir unser Gegenüber brauchen, um uns diese Erlaubnis zu geben, übernehmen wir keine Verantwortung für unsere Gefühle.

Im Umkehrschluss heißt das, dass wir die Verantwortung dann übernehmen, wenn wir zuerst in uns selbst Verständnis und Mitgefühl für unsere Gefühle suchen. Uns selbst erlauben können, dass wir dieses Gefühl haben, dass wir mit diesem Gefühl sein dürfen.

Ich finde das immer noch schwierig, nicht zuerst zum:r anderen zu gehen und zu sagen: “Duuu! Deinetwegen!” Sondern zu sagen: Hey, ich fühl mich gerade nicht gut mit der Situation und möchte erst mal selber schauen, was mit mir los ist. Ich spreche mit dir darüber, wenn ich bereit bin.

Denn dann heißt es: Verantwortung für mich übernehmen. Das Gefühl erforschen, fühlen, ausleben (ohne Selbst- oder Fremdgefährdung) und rausfinden, worum es eigentlich geht. So gebe ich mir selbst immer mehr die Erlaubnis, dass mein Gefühl sein darf. Übrigens nicht als Lippenbekenntnis, sondern in Wort und Tat. Ich behandle mein Gefühl schon so, als hätte es meine Erlaubnis, ehe ich die Erlaubnis in mir fühlen kann. Die Erlaubnis folgt meiner Handlung. Die innere Logik: Ich gehe gut mit meinem Gefühl um? Dann muss es wohl zu mir gehören dürfen.

Wenn wir nicht mehr brauchen, dass unser Gegenüber uns die Erlaubnis gibt, wird ein echter Austausch möglich. Wir können einander verstehen und Lösungen finden.

Ich wünsche dir viel Mut dafür, deinen Gefühlen selbst das “Ok” zu geben!

Deine Nathalie

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.