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Was bringt Aufräumen nach Marie Kondo? – Die KonMari-Methode im „Test“.

Was bringt Aufräumen nach Marie Kondo?

Ich habe den Hype um Marie Kondo nie verstanden – wozu braucht es eine „Methode“ um auszusortieren? Ich kenne nur eine wirksame Methode um auszusortieren: Aussortieren!

Nur leider bin ich nicht so gut darin. Von Umzug zu Umzug packe ich zu viele Sachen aus, nur um sie zum nächsten Umzug wieder einzupacken.

Und ich fühlte mich nicht wohl in meinen vergangenen Wohnungen. Nicht, dass es besonders unordentlich oder vollgestellt war, aber wohnlich war es nicht.

Vielleicht klingt es gewollt, wenn ich das so sage. So, als möchte ich nun auch den Minimalismus anpreisen, einfach nur um seiner selbst willen oder weil Minimalismus „in“ ist. Ich bin immer wieder wie gelähmt von meinem Besitz, wenn ich darüber nachdenke, es mir schöner zu machen. Vor meinem geistigen Auge tauchen ungezählte Dinge auf, die einen geeigneten Platz fordern. Und wenn die alle ihren Platz bekämen, dann könnte es nicht auf die Art schön werden, die ich mir wünsche.

Beim Gedanken an viele Dinge, die ich angeschafft habe, fühle ich Schuld. Schuld, weil ich sie am Ende gar nicht gebraucht habe oder doch nicht so toll fand, wie ich erst dachte. Und ich fühle mich auch schuldig für die Dinge, die mir geschenkt wurden und die ich nicht (mehr) will. Wie undankbar von mir! Die Schuld verbietet mir, mich von Dingen zu trennen.

Mein Nicht-Haben-Wollen aber verbietet mir, einen geeigneten Platz für die Sachen zu finden. Und so dreht es sich im Kreis – ich kann nichts weggeben, wegen der Schuld und es kann nicht schön sein, wegen der Dinge.

Nun werde ich bald 30 und wie viele Menschen vor mir, die auf einen runden Geburtstag zusteuern, möchte ich bis dahin Sachen verändert und erreicht haben. Eine davon: Endlich eine schöne Wohnung!

In die passende Wohnung bin ich vor kurzem gezogen. Nun fehlt noch das Einrichten. Und das Aussortieren. Das zuerst.

Und das bringt mich zurück an den Anfang: Ich dachte ja die längste Zeit, Aussortieren funktioniert nur durch Aussortieren. Und bin mehrfach daran gescheitert (ist ja nicht so, dass ich es nicht versucht hätte). Dieses Mal will ich es schaffen. Also darf ich irgendwas anders machen, als ich es sonst mache. So komme ich auf Marie Kondo. Sie hat eine eigene Show, vielleicht weiß sie ja doch was, was ich noch nicht weiß.

Ich las ohne besondere Erwartungen die beiden Bücher Magic Cleaning 1* und Magic Cleaning 2* (Anzeigen) und fühlte mich schon während der Lektüre zunehmend verstanden. Ja, verstanden. Davon bin ich selbst überrascht. Für mich war aussortieren keine Frage von Gefühl und Verständnis, sondern von Disziplin und Rationalität. Mir war nicht bewusst, dass es beim Aussortieren vor allem um Gefühle geht. Dazu aber später mehr.

Weil Marie Kondo die Gefühle versteht, schafft sie, die drei großen Denk-Hürden zu adressieren, die zumindest mir immer so unüberwindbar im Weg stehen.

Die drei großen Hürden beim Aussortieren überwinden.

1) Es geht nicht darum, was wir loswerden, sondern was wir behalten wollen.

Wie meistens im Leben kommen wir auch beim Ausmisten weiter, wenn wir uns auf das fokussieren, was wir wollen. Über Trennung nachzudenken ist unangenehm, laugt aus. Bin ich wirklich schon bereit loszulassen? Puh…

Über das nachzudenken, was uns wichtig ist, was uns glücklich macht, fällt viel leichter. Und lässt am Ende eben nur genau die Dinge übrig, die wir wirklich um uns haben wollen.

Alles andere hat kein echtes Ja aus vollem Herzen bekommen und darf verabschiedet werden.

2) Eine emotionale Verbindung zu Dingen ist normal und wir dürfen sie ernstnehmen, wenn wir aussortieren möchten.

Ich dachte, das Aussortieren muss ich rational angehen. Dinge fühlen schließlich nichts, also muss der Verstand ran. Weiter habe ich nicht nachgedacht – Marie Kondo zum Glück schon.

Wenn wir Dinge anschaffen oder geschenkt bekommen, passiert das aus einem bestimmten Grund. Ein Gedanke, ein Gefühl, eine Hoffnung, eine Angst, irgendwas steckte dahinter.

Eher selten ist es die Notwendigkeit, die uns zum Kauf bringt. Viel öfter sind es Gefühle. Darum sind es die Gefühle, die entscheiden, ob wir etwas behalten oder nicht. Geben wir einen Gegenstand weg, kann es sich so anfühlen, als würden wir mit ihm die Hoffnung aufgeben, die überhaupt erst zu seinem Kauf führte. Vielleicht ärgern wir uns auch, „umsonst“ so viel Geld ausgegeben zu haben. Oder wir fühlen uns, als hätten wir mit dem Geschenk auch den oder die Schenkende zurückgewiesen.

Darum ist es clever, jedem Gegenstand die Ehre zu erweisen, ihn einmal in die Hände zu nehmen und ganz bei ihm zu sein. Klingt esoterisch?

Erst, wenn wir ganz bei dem Gegenstand sind, können wir uns unserer Gefühle und Projektionen bewusst werden. Und erst, wenn wir diese kennen, können wir uns bewusst für oder gegen den Gegenstand entscheiden.

Wir können dann überlegen, welchen Zweck dieser Gegenstand bisher hatte in unserem Leben. Vielleicht sollte er uns nur zeigen, wer wir nicht sind. Was wir nicht wollen, obwohl wir glaubten, es zu wollen. Vielleicht hat uns wenigstens seine Fantasie für einen Moment glücklich gemacht. Auch das ist wertvoll.

Wir dürfen uns in Würde verabschieden und einen neuen, besseren Platz bei einem anderen Menschen für ihn finden.

Oder aber, wir spüren, dasss uns der Gegenstand immer noch viel bedeutet und wir ihn in unserem Leben behalten wollen. Dann aber nicht der Schuld, sondern der Liebe wegen.

3) Wir, und nur wir, können festlegen, was in unserer Traumwohnung seinen Platz haben kann. Und was nicht.

Radikaler Minimalismus ist nicht alles. Wenn du zig Paar Schuhe brauchst, um dich wohlzufühlen, ist das ok. Wenn du an deiner Bierdeckelsammlung hängst, ist das ok.

Ich möchte diesen Punkt mit einem Zitat von Marie Kondo erläutern, denn treffendere Worte finde ich nicht:

„Nur wir selbst können entscheiden, in welcher Umgebung wir glücklich sind. Dinge zu besitzen und Dinge auszuwählen sind äußerst persönliche Entscheidungen. Wenn Sie es wirklich für immer ordentlich haben wollen, brauchen Sie eine Aufräumstrategie, bei der Sie selbst, und nur Sie selbst, die Kriterien festlegen. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass Sie für jedes einzelne Stück bestimmen, ob es Sie glücklich macht.“ (Magic Cleaning 1)* (Anzeige)

Und nun geht es zur Sache: Aussortieren nach Marie Kondo.

Da stimmt ja schon die Überschrift nicht – Marie Kondo sortiert nicht nur aus, sie räumt auch nicht nur auf, sie feiert mit ihren Klient*innen das Aufräum-fest.

Denn: Es soll nur einmal stattfinden und ganz, ganz groß sein. Und natürlich ein freudiges Ereignis!

Wir sollen es „[i]n einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt“ (Magic Cleaning 2)* (Anzeige) vollziehen. Klingt für mich erst mal nicht soo erfreulich.

Ist „perfekt“ nicht so oft der Killer guter Absichten? Und was soll das heißen – in kurzer Zeit? Ich werde es schon nicht bloß in zwei Stunden schaffen. Außerdem habe ich noch andere Sachen zu tun. Und was ist mit den Leuten, die Häuser, Keller, Dachböden und Familie haben?

So viel vorweg: „in kurzer Zeit“ meint: Maximal innerhalb eines halben Jahres. Also doch entspannt, arbeits- und familienfreundlich. Marie Kondo lehnt Techniken ab, die das Aufräumen zu einem lebenslangen Prozess machen, darum ruft sie zu „in kurzer Zeit“ auf. Sie liefert gute Gründe dafür in ihren Büchern. „Perfekt“ meint – mach‘ es einmal richtig und nicht nur so halb. Nimm‘ nicht den Kabelsalat und lege fest, dass der nun in der Kabelsalat-Kiste wohnt. Schau‘ dir jedes Kabel einzeln an und entscheide, ob du es noch brauchst. Du sollst am Ende jeden Gegenstand einmal in den Hängen gehalten und eine bewusst Entscheidung getroffen haben. Dann ist es „perfekt“.

So, nun haben wir das auch geklärt. Jetzt geht’s aber los. Und zwar in vier Schritten:

Schritt 1: Das ideale Leben erträumen.

Wie, es geht doch noch nicht los? Erst mal träumen?

Vielleicht bist du, wie ich, schon voller Tatendrang. Irgendwie will man es ja auch hinter sich haben, oder? Endlich am Ziel der Träume sein… Aber genau dafür braucht es erst mal das Träumen. Erst mal müssen wir wissen, wohin es gehen soll. Wie es sein soll, wie wir leben wollen.

Und das sollen wir nach Marie Kondo möglichst gut in uns festhalten. Wenn unsere Vorstellungskraft nicht reicht, dann schlägt sie vor, eine Collage zu basteln oder Bilder analog oder digital zu sammeln. Die Vorstellung unseres neuen Lebens soll auch möglichst detailliert und konkret sein – was würden tun und wie würde sich das anfühlen?

Die Bilder und Vorstellungen sollen gut abrufbar sein, weil wir auf sie zurückgreifen können, wenn wir einmal den roten Faden beim Aussortieren verlieren. Und dass wir ihn zwischen drin verlieren, ist sehr wahrscheinlich.

Schritt 2: Alles auf einen Haufen und Kategorien bilden

Beim Aussortieren/Aufräumen gehen wir häufig nach Räumen – heute nehm‘ ich mir den Schreibtisch vor, morgen den Küchenschrank, dann das Bad…

Marie Kondo sagt, wenn wir das Aufräumfest feiern (:D) dann sollen wir anders vorgehen: Die Dinge werden Kategorien zugeordnet und die Kategorien werden jede für sich aufgeräumt. Damit nicht genug. Sie legt sogar die Reihenfolge fest, in der die Kategorien abzuarbeiten sind.

Grund für das Kategorienbilden: So wissen wir, was wir haben. Die meisten von uns brauchen keine 50 Kugelschreiber, um sich wohlzufühlen. Die Menge der Kugelschreiber kriegen wir aber nicht abschließend vor Augen, wenn wir sie nicht aus allen Ecken der Wohnung zusammensuchen. Außerdem sollen wir sie nach dem Aussortieren auch nur noch gesammelt an einem Fleck aufbewahren und nicht wieder verstreuen. Also wäre es gut, sie schon mal alle beisammen zu haben. Das ist aber eine andere Geschichte.

Dass wir Kategorien in einer bestimmten Reihenfolge durcharbeiten sollen, hat ebenfalls einen Grund. Marie Kondo geht davon aus, dass wir unsere Fähigkeit, zu fühlen ob wir einen Gegenstand behalten wollen oder nicht, erst trainieren müssen. Darum sollen wir mit einer „leichten“ Kategorie beginnen. Kritisch finde ich, dass Marie Kondo vorgibt, welche Kategorien schwierig und welche leicht sind. Dabei kann das doch für mich ganz anders sein. Und darum werde ich, was das angeht, nur auf mein Gefühl hören.

Da ich also beim Kategorienaussortieren mache, was ich will, lege ich auch meine Kategorien selbst fest. Wer genauer wissen will, was Marie Kondo vorschlägt, kann sich ja im Internet schlau machen. 🙂

Schritt 3: Aussortieren.

Ich habe es an anderer Stelle schon mal geschrieben: Wie sollen jedes einzelne Stück in die Hand nehmen. Jedes einzelne. Und dann gibt es drei Möglichkeiten:

a) Wir spüren, dass der Gegenstand uns glücklich macht und behalten ihn.
b) Wir spüren zwar keine Glücksgefühle bei seinem Anblick, wissen aber, dass wir den Gegenstand brauchen. Und behalten ihn.
c) Der Gegenstand macht uns weder glücklich noch finden wir ihn nützlich – und er kommt weg (natürlich möglichst nachhaltig. Marie Kondo redet vom „Wegwerfen“, doch da blutet mir das Herz. Ich verschenke oder verkaufe, wann immer möglich.).

Dann legen wir jeden Gegenstand, den wir behalten wollen, wieder zurück zu den anderen zu behaltenden Gegenständen der gleichen Kategorie.

Schritt 4: Aufräumen

Und wenn dann alles sortiert ist, ja erst dann, bekommen die guten Stücke ihren neuen Platz zugewiesen. Und zwar ein für alle Male. So möchte es Marie Kondo. Wenn jeder Gegenstand seinen festen Platz hat, können wir ihn immer wieder aufräumen ohne Not.

Dafür hat sie noch allerlei Tips und Tricks in ihren Büchern, die ich dir empfehle, wenn du Lust hast auch alte Ordnungsgewohnheiten zu hinterfragen.

Ein Fazit?

Es ist noch lang nicht alles gesagt – zum Beispiel, ob mir die KonMari-Methode dabei geholfen hat, die Hürden zu nehmen, die mir die letzten Jahre eine schöne Wohnung vereitelten.

Und wenn ja, wie. Und wenn nein, warum nicht. Und ob mein Umzug trotzdem ein Happy End hat. Darum wird es einen zweiten Teil geben, in dem ich all diese Fragen kläre.

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