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Was, wenn der Tag nicht kommt, an dem wir uns selbst lieben?

Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, wie ich mir wünsche, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich mich selbst bedingungslos lieben kann. Was würde das für ein toller Tag sein!
Wahrscheinlich wäre mein Leben dann unbeschwert und endlich so schön, wie ich es mir vorstelle.

Ich habe meine 20er damit verbracht, darauf zu warten, dass der Tag kommt. Ich dachte, durch Therapie oder den Alterungsprozess oder was auch immer wird’s schon irgendwann werden. Im mysteriösen Morgen ist ja eh alles möglich. Und während er noch nicht da war, habe ich halt andere Sachen gemacht. Coole Sachen auch. Aber hauptsächlich versucht, diesen Mangel an Selbstliebe zu kompensieren und zu betäuben.
Meine Energie reicht dafür nicht mehr und allmählich wird mir auch meine Lebenszeit zu schade auf diesen Tag X zu warten, an dem dann alles anders sein wird.

Aber soll ich das mit der Selbstliebe jetzt gänzlich aufgeben, weil der Tag irgendwie nicht zu kommen scheint?
Ne. Nur aufhören, darauf zu warten, dass es irgendwann “Klick” macht. Macht es nicht, das weiß ich jetzt.
Und zwar nicht, weil es nur ausgerechnet bei mir oder bei dir nicht “Klick” macht, sondern weil das mit der Selbstliebe so nicht funktioniert. Wer unter Bedingungen aufgewachsen ist, die ihr oder ihm schwer gemacht haben, Selbstzuneigung oder wenigstens -akzeptanz aufzubauen, hat die Scham, die Selbstzweifel, die Ablehnung tief eingeschrieben ins System. Das ist bedauerlich und oft genug will ich auch heute noch den Kopf in den Sand stecken ob dieser Tatsache. Aber das bringt ja auch nichts. Was bringt denn dann was?

Solang wir uns noch nicht so fühlen, als liebten wir uns selbst, können wir schon mal anfangen, uns so zu behandeln, als täten wir es: Wie würden wir mit jemandem reden, den wir lieben? Wie würden wir uns um diesen Menschen kümmern, wenn er müde, krank, glücklich, ängstlich ist? Was würden wir diesen Menschen essen, trinken, wie seine Freizeit verbringen, was im Fernsehen anschauen, mit wem reden und was arbeiten lassen?

Vielleicht werden wir diese bedingungslose Liebe uns selbst gegenüber niemals dauerhaft und stabil fühlen können.
Aber wäre es nicht schade, wenn wir darum darauf verzichten, es uns so friedlich und schön wie möglich zu machen in der Zwischenzeit?

Und was würde sich eigentlich verändern, wenn du und ich anfangen, jede:r für sich, sich selbst wie einen Menschen zu behandeln, den wir bedingungslos lieben? Wären wir zwei dann nicht Menschen, die bedingungslos geliebt behandelt werden? Und was macht das dann mit der bedingungslosen Selbstliebe?….

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