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Wie geht eigentlich “Gefühle zulassen” und “Gefühle fühlen”?

Vielleicht sollten wir uns zuerst klar machen, warum es sich überhaupt lohnt, Gefühle zuzulassen:

Es lohnt sich, weil alle anderen Strategien, die wir sonst so auffahren (analysieren, grübeln, ablenken, jammern, beschuldigen, ignorieren, wegreden) nicht dazu führen, dass wir uns handlungsfähiger fühlen. Vielleicht verschaffen uns manche der Strategien kurzfristig Erfolg oder Erleichterung, aber langfristig kriegen wir so nichts gelöst. Die gleichen Trigger lösen die gleichen Gefühle, die gleiche Unfähigkeit und die gleichen unproduktiven Strategien aus… Hilft nix.

Was aber hilft: Die Gefühle richtig zu durchfühlen. Dann verschwinden sie und hinterlassen uns Klarheit über unsere Werte und Bedürfnisse. Von dem Standpunkt der Klarheit aus können wir viel nachhaltigere Entscheidungen treffen und effektiver handeln. Wir üben, unsere unproduktiveren Kreisläufe immer schneller zu durchbrechen und finden uns immer mehr in einem Leben wieder, was uns wirklich gut tut.

Ich weiß nicht, ob diese Ausführung jetzt schon Sinn ergibt für dich. Auch wenn du dir nicht vorstellen kannst, wie es helfen soll, Gefühle wirklich zu durchfühlen, kann ich nur sagen: Probier’ es aus. Du kannst dich ja jederzeit dafür entscheiden, wieder den alten Weg zu gehen.

Und wie geht das Durchfühlen konkret?

Wir rücken das Gefühl in das Zentrum unserer ungeteilten Aufmerksamkeit und geben ihm dort Zeit und Raum, um zu sein.

(Am Anfang hat es mir geholfen mir vorzustellen, das Gefühl sei ein Forschungsobjekt, was ich möglichst in seiner ganzen Tiefe und Weite erforschen möchte. Vielleicht kannst du mit dem Bild ja auch was anfangen.)

Das kann heißen:

Ich spüre nach, wo überall im Körper ich dieses Gefühl fühlen kann und wie genau es sich dort anfühlt. Mit meinen Körperempfindungen mache ich nichts. Sie sollen da sein, wo sie eben gerade sind.

Ich schreibe alle Gedanken auf oder spreche sie aus, die mit dem Gefühl einhergehen. Was ist mir passiert? Was wurde mir getan? Was würde ich am Liebsten tun? Ich zensiere nicht, analysiere nicht, werte nicht. Ich will einfach nur wissen, welche Gedanken zu meinen Gefühlen gehören.

Ich finde heraus, welche Nuancen mein Gefühl hat. Fühle ich mich wirklich wütend oder eher zornig oder verärgert? Ich will alles wissen, was auch zu meinem Gefühl gehört.

Ich suche noch weiter: Gibt es weitere Gefühle, die auch eine Rolle spielen? Vielleicht bin ich nicht nur wütend, sondern fühle mich eingeengt und angeekelt? Ich möchte immer besser beschreiben können, was ich gerade fühle.

Ich verleihe meinem Gefühl Ausdruck und finde Möglichkeiten, es zu leben. Ich male es, höre Musik, die für mich dazu passt, ich weine, ich zerreiße meinen Papiermüll in kleine Stücke oder mache Sport. Ich lasse es raus, gebe ihm eine “Stimme”. (Ohne dabei mich oder andere zu schädigen.)

Ich spreche mein Gefühl direkt an. “Hilflosigkeit, ich nehme dich wahr und ich hasse dich. Ich hasse es, nichts tun zu können.” “Leere, ich nehme dich wahr und ich habe riesige Angst vor dir.”

Wenn ich überfordert bin mit einem Gefühl und der auslösenden Situation, gehe ich alle diese Schritte. Danach bin ich mir wieder näher und es fällt mir leichter, mit mir selbst und der Situation umzugehen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Text ein paar Anregungen geben, damit du im Fall der Fälle eine Idee hast, was du statt deiner anderen Strategien tun kannst, um mit deinen Gefühlen umzugehen.

Deine Nathalie

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