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Ist Innere-Kind-Arbeit gefährlich?

Innere-Kind-Arbeit ist gefährlich. Und so nützlich! Wie können wir verantwortungsvoll mit dieser heilsamen Methode umgehen?

Das Wichtigste im Überblick

Inhalt

Ist Innere-Kind-Arbeit gefährlich?

Bouldern ist nicht nur Trendsport, sondern seit vielen Jahren mein Lieblingssport.

Als relativ unerfahrene Bouldererin hatte ich mich bei einem Sturz so verletzt, dass ich zwei Jahre nicht mehr bouldern konnte. Neben all dem Spaß und den gesundheitlichen Benefits ist Bouldern auch gefährlich. Ich habe gelernt, bewusster zu bouldern und verletze mich seither nicht mehr.

Wenn wir uns fragen, ob die Arbeit mit dem Inneren Kind gefährlich ist, dann ist die Antwort wie beim Bouldern: Ja.

Aber aus diesem Grund nicht mit dem Inneren Kind zu arbeiten, wäre, wie nie wieder zu bouldern. Wir würden auf viel zu viel verzichten! Und das völlig unnötig. Denn wie beim Bouldern können wir mit Bewussheit und Selbstfürsorge die Gefahren der Arbeit mit dem Inneren Kind minimieren und den maximalen Nutzen ziehen.

Auf welche Weise ist die Arbeit mit dem Inneren Kind gefährlich und was können wir für uns tun? Schauen wir es uns im Detail an!

Potenzielle Gefahren der Inneren-Kind-Arbeit

Retraumatisierung durch Wiedererleben traumatischer Erfahrungen

Wenn wir mit unserem Inneren Kind arbeiten, können frühere traumatische Erlebnisse wieder hochkommen. Das kann starke emotionale Reaktionen, erhöhten Stress und Angst auslösen und im schlimmsten Fall zu einer Retraumatisierung führen.

Überforderung und Selbstschädigung

Eine unsachgemäße Arbeit mit dem Inneren Kind, vor allem außerhalb eines sicheren Rahmens, kann zu Überforderung und emotionaler Überlastung führen. In solchen Momenten könnten wir gegen uns selbst gerichtete, schädliche Muster reaktivieren, die in der Verletzlichkeit durch den Kontakt mit unserem Inneren Kind noch schmerzhafter wirken.

Aktivierung von unbewussten Mustern

Diese Arbeit kann auch tief verwurzelte Muster und Überzeugungen zu Tage fördern, die unsere ursprünglichen emotionalen Wunden mitverursacht haben. Das kann uns verwirren und emotional durcheinanderbringen. Das kann fehlinterpretiert werden als Misslingen der Arbeit.

Fehlende Integration und einseitige Entwicklung

Es ist ein Risiko, die Arbeit mit dem Inneren Kind isoliert zu sehen und nicht als Teil unserer gesamten persönlichen Entwicklung. Diese Arbeit sollte im Kontext von Selbstreflexion, Selbstakzeptanz und Heilung betrachtet werden. Vernachlässigen wir andere Aspekte unseres Wachstums, könnte das unsere ganzheitliche Entwicklung beeinträchtigen.

Verstärkung von Ohnmachtsgefühlen

Sich mit dem Inneren Kind auseinanderzusetzen heißt auch, sich Gefühlen von Handlungsunfähigkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu stellen. Dies kann uns in eine Art Starre versetzen, aus der wir den Weg zur eigenen Stärke nicht finden.

Schwierigkeiten bei der Abgrenzung

Die intensive Beschäftigung mit dem Inneren Kind kann zu Schwierigkeiten bei der Abgrenzung zwischen Vergangenheit und Gegenwart führen. Es ist möglich, dass wir uns zeitweise mit den Emotionen und Erlebnissen des Inneren Kindes identifizieren, was es uns erschwert, im Hier und Jetzt zu leben. Diese Verwischung der Grenzen kann für einige Zeit unsere Alltagsfunktionen und zwischenmenschlichen Beziehungen beeinträchtigen.

Emotionale Abhängigkeit von der Heilungsarbeit

Manche von uns könnten eine emotionale Abhängigkeit von der Arbeit mit dem Inneren Kind entwickeln, in der Hoffnung, alle Antworten und Lösungen in dieser Arbeit zu finden. Während die Auseinandersetzung mit dem Inneren Kind tiefgreifende Einsichten und Heilung bringen kann, ist es wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zu anderen Aspekten des Lebens zu bewahren und die Eigenverantwortung für das eigene Glück und Wohlergehen zu erkennen.

Überidentifikation mit der Opferrolle

In einigen Fällen kann die intensive Fokussierung auf vergangene Verletzungen dazu führen, dass wir uns zu stark mit der Rolle des Opfers identifizieren. Dies kann den Blick auf die eigenen Stärken und die Fähigkeit zur Überwindung von Herausforderungen trüben. Es ist wesentlich, auch die Resilienz und die eigenen Ressourcen zu erkennen und zu fördern, um nicht in einer Haltung der Hilflosigkeit verhaftet zu bleiben.

Auf diese Weise ist Innere-Kind-Arbeit gefährlich

Unter allen aufgezählten Gefahren, die mir einfallen, halte ich die Retraumatisierung für die größte Gefahr. Wenn du dir vorstellen könntest, dass du etwas erlebt hast, was über das normale Maß an "schlimm" hinausgeht, rate ich dringend davon ab, dass du dich dem allein stellst. Psychotherapeut:innen starten in so einem Fall eher mit anderen Therapieformen, die der Stabilisierung und Aktivierung von Ressourcen dienen.

Zu den etwas verkraftbareren Risiken zähle ich alle anderen. Hier sehe ich das Problem, dass jeder zwischenzeitliche Misserfolg und jeder Irr- und Umweg (und die sind völlig normal) zu einem Abbruch der Arbeit mit dem Inneren Kind führen kann - schlimmstenfalls in einer Phase, in der sich die Symptome gerade übergangsweise verschlechtert haben. In Folge würde dann das unglaublich große Heilungspotenzial der Arbeit mit dem Inneren Kind verschenkt. Was verdammt schade wäre. Darum möchte ich abschließen mit:

Wie kannst du damit umgehen, dass Innere-Kind-Arbeit auch gefährlich ist?

Jetzt, da du weißt, dass Innere-Kind-Arbeit auch gefährlich sein kann, bist du in der Lage, diesen Gefahren verantwortungsvoll gegenüberzutreten:

Information

Informiere dich gründlich über die Innere-Kind-Arbeit. Dabei können dir Blogs helfen, Podcasts, Videos und natürlich Bücher. So kannst du ein ein umfassendes Verständnis für den Prozess und die möglichen Auswirkungen entwickeln. Das beugt bestenfalls Verunsicherungen oder Enttäuschungen vor.

Austausch mit Gleichgesinnten

Suche den Austausch mit Menschen, die bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet haben. Blogs, Foren, Coaches oder Gruppen können gute Möglichkeiten sein, um sich mit anderen auszutauschen und von den Erfahrungen anderer zu lernen.

Inspiration von außerhalb

Lasse dich auch von Menschen außerhalb der Innere-Kind-Arbeit-Szene inspirieren wie Veit Lindau, Vera F. Birkenbihl, Byron Katie oder andere Menschen, die du kennst und schätzt. So behältst du das große Ganze im Blick und verlierst dich nicht in dieser einen Methode.

Aufmerksame Auswahl einer Begleitperson

Wenn du dich für Unterstützung außerhalb einer Psychotherapie entscheidest, höre auf dein Bauchgefühl. Es ist entscheidend, dass die Person, die dich begleitet, über ausreichend Erfahrung verfügt und in der Lage ist, dich durch die Gefühls- und Gedankenwelt, die während der Arbeit mit dem Inneren Kind entsteht, zu navigieren. Sei zudem vorsichtig mit vermeintlich schnellen Lösungen. [Erfahre in diesem Blogartikel, wie du eine geeignete Helferperson und Methode für dich auswählst.](Welche Arbeit mit dem Inneren Kind ist denn nun die richtige? | Innere Kinder)

Sicherheitsnetz schaffen

Etabliere Sicherheitsnetze: Für den Umgang mit intensiven emotionalen Reaktionen ist es wichtig, dass du weißt, wer für dich da ist und was dir hilft, falls gerade keiner für dich da sein kann. Dein Sicherheitsnetz sollte aus vertrauten Personen bestehen, die dich während dieses Prozesses unterstützen können und aus Aktivitäten und Techniken zur Selbstberuhigung und emotionalen Regulation. Schreib' es dir am besten auf, damit du ohne viel Nachdenken darauf zurückgreifen kannst, wenn es dir schlecht geht.

Erwartungsmanagement

Setze realistische Erwartungen: Heilung braucht Zeit und verläuft nicht linear. Es ist normal, dass es Phasen gibt, in denen es scheint, als würde sich die Situation verschlimmern. Realistische Erwartungen zu setzen und Geduld mit sich selbst zu haben, kann helfen, Enttäuschungen zu minimieren und die Motivation aufrechtzuerhalten. Was du realistischerweise erwarten darfst, erfährst du zum Beispiel im Austausch mit anderen Menschen, die schon länger mit ihrem Inneren Kind arbeiten.

Techniken, um im Hier und Jetzt zu bleiben

Arbeite an der Abgrenzung zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Techniken zur Stärkung der Präsenz im Hier und Jetzt können helfen, die Abgrenzung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu verbessern. Achtsamkeitsübungen, Meditation oder auch körperorientierte Praktiken wie Yoga können unterstützend wirken, um den Kontakt zum gegenwärtigen Moment zu stärken.

Fähigkeit zur Heilung bewusst machen

Vermeide Überidentifikation und Opferrolle: Arbeite bewusst daran, deine eigene Stärke und Resilienz zu erkennen und zu fördern. Erinnere dich daran, dass du nicht nur deine traumatischen Erfahrungen bist, sondern auch die Fähigkeit zur Heilung und zum Wachstum in dir trägst. Dies kann helfen, eine übermäßige Identifikation mit der Opferrolle zu vermeiden und den Blick auf Möglichkeiten der Überwindung und des Selbststärkung zu richten.

Im Zweifel: Psychotherapie

Falls im Zweifel, zögere nicht, professionelle therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Qualifizierte Therapeut:innen können dir helfen, den Prozess der Inneren-Kind-Arbeit sicher und effektiv zu gestalten und dich bei der Bewältigung möglicher Herausforderungen unterstützen.

Innere-Kind-Arbeit ist vor allem eins: Heilsam.

Und nun wünsche ich dir, dass du sehr von dieser wunderbaren Methode zur Selbstheilung profitieren kannst!

Selbstfürsorge Trauma Psychotherapie Innere-Kind-Arbeit

Die Beiträge des Blogs ersetzen keine Therapie oder medizinische Versorgung. Wenn es dir akut schlecht geht, wende dich beispielsweise an das Sorgentelefon oder rufe die 112 an.

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Hi, ich bin Nathalie! 🙋🏻‍♀️

Jahrelang erlebte ich eine tiefe Krise nach der nächsten. Meine Gefühle schienen außer Kontrolle. Jobs, Beziehungen, Lebenspläne - immer wieder in Scherben.

Obwohl ich gute Hilfe bekam, hilfreiche Methoden lernte und viele Erkenntnisse hatte. Im Kern blieb ich unverstanden.

  • Wenn du dich trotz deiner Mühen in deinen Gefühlen und Krisen verloren fühlst: Ich kenne das!

15 Jahre und einige Therapien, viele Bücher, Versuche, Gespräche und Reflexionen später habe ich entdeckt, worum es bei mir wirklich geht. Und was mir nachhaltig hilft.

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