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Woran merke, ich, dass ich mit meinem Inneren Kind in Kontakt bin?

In einem früheren Artikel behaupte ich, dass jede*r von uns einen Anteil in sich trägt, der deutlich jünger ist, als wir es sind. In einem weiteren Artikel versichere ich, dass es möglich sei, in Kontakt mit diesem Anteil zu kommen.

Und das, obwohl es dabei bleibt: Du kannst dein Inneres Kind nicht sehen, nicht hören und nicht wirklich anfassen. Wie also könntest du überhaupt merken, dass ihr in Kontakt seid?

Dass es Kontakt aufnimmt, zu dir, zur Umwelt, passiert wohlmöglich viel öfter, als dir bewusst ist. Und es passierte auch schon, ehe du von der (möglichen) Existenz deines Inneren Kindes wusstest. Denn:

Innere Kinder können sich gefragt und ungefragt bemerkbar machen. (Aber immer mit gutem Grund!)

Im Wesentlichen gibt es also diese zwei Wege, auf denen das Innere Kind für uns spürbar wird:

  1. Das Innere Kind macht sich bemerkbar, ohne dass wir den Kontakt bewusst herbeigeführt hätten.
  2. Wir suchen Kontakt zum Inneren Kind und es reagiert.

Ob wir als Erwachsene den Kontakt bewusst herbei geführt haben oder das Innere Kind sich von sich aus meldet, macht einen Unterschied darin, wie es sich anfühlt, wenn es „da“ ist:

Fall 1: Das Innere Kind zeigt sich, weil es sich „zufällig“ angesprochen fühlt.

Das passiert zum Beispiel dann, wenn wir rumalbern, spielen, kreativ sind und uns im Fluss befinden. Wenn wir Zeit und Raum vergessen, einfach da sind und uns nicht mal Gedanken machen können, ob wir gerade glücklich sind oder nicht. Diesen Zustand empfinden wir als so angenehm, dass die meisten von uns ihr Inneres Kind dabei nicht wirklich wahrnehmen. Das ist auch nicht schlimm. In diesem Momenten ist es sowieso in Einklang mit dir und der Welt – und du mit ihm.

Anders verhält es sich, wenn unser Inneres Kind auf unangenehme Weise berührt wird. Seine Be- und Getroffenheit tut es dann intensiv kund.

Es übernimmt die Kontrolle über unsere Körper und lässt uns genau die Dinge tun und sagen, von denen wir im Nachhinein denken- „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat.“ – „Ich hab‘ die Kontrolle verloren.“. Dinge, für die wir uns schämen, die wir gern zurücknehmen würden, die, so hoffen wir, niemand mitbekommen hat, von denen wir nicht so recht nachvollziehen können, warum wir sie getan haben.

Oder wir neigen dazu, in Situationen, die vielleicht unangenehm sind, aber keine Katastrophe darstellen, regelrecht in uns zusammenzusinken: Eine hitzige Diskussion, die uns nicht betrifft, die ausbleibende ausgesprochene Anerkennung unserer Arbeit durch Kolleg*innen, unsere Freunde, die mal etwas ohne uns machen wollen, … Unsere Reaktion entlädt sich (häufig erst im stillen Kämmerlein) heftig: Es geht uns schlecht, wir fühlen uns schwach, traurig, verzweifelt, vielleicht auch wütend oder bekommen Panik. Was immer wir als Kind erlebt haben. Unser Inneres Kind erlebt es nun wieder.

Und dann gibt es da noch diese nagenden Gefühle, die uns tagelang verfolgen. Oft ausgelöst durch (vermeintlich) kleine Kränkungen. Jemand sagt was „Falsches“ zu uns, wir bekommen eine Absage, jemand kritisiert uns… Die Situation lässt uns einfach nicht los und wir spielen sie wieder und wieder im Kopf durch, manchmal begleitet von dem Gedanken, wir seien zu empfindlich, wir reagieren über.

Alles das sind Zeichen, dass sich unser Inneres Kind gerade höchst betroffen fühlt und in Not geraten ist. Es wirkt dann durch unsere Körper hindurch. Ob uns das angenehm ist oder nicht. Es kann nicht anders. Wir können aber lernen, unseren Inneren Kindern in solchen Situationen zu beizustehen.

Wenn sich unser Inneres Kind also derart bemerkbar macht, ist spätestens das ein guter Zeitpunkt, mit ihm in Kontakt zu treten. (Jeder frühere Moment ohne konkreten Anlass wird es aber auch erfreuen 😉 .)

Fall 2: Der oder die Erwachsene sucht den Kontakt zum Inneren Kind

(Möglichkeiten zum Kontaktaufbau findest du übrigens im bereits erwähnten Artikel zum Kontaktaufbau mit deinem Inneren Kind beschrieben.)

Wenn wir den Kontakt zu unserem Kind bewusst herstellen, sind seine Ausdrucksweisen manchmal schwieriger wahrzunehmen. Schwieriger, aber sehr wohl möglich.

Aufkommende innere Bilder

In Fantasiereisen oder wenn wir uns unser Inneres Kind mit uns im Raum vorstellen, erscheint unser Inneres Kind vor unserem inneren Auge. Seine komplette Erscheinung kann uns Auskunft darüber geben, wie es ihm geht und was es braucht. Inklusive der Situation, die es umgibt. Alles, was wir sehen, hören, fühlen, wahrnehmen können, gibt uns Aufschluss über die Verfassung unseres Inneren Kindes und gehört zu seinem Ausdrucksrepertoire.

Worte, Sätze, Dialoge in deinem Geist

Wenn wir Briefe an unser Inneren Kind schreiben oder versuchen, mit ihm zu reden, spüren wir in unterschiedlicher Frequenz und Intensität Worte in uns aufsteigen, die sich wie eine Antwort unseres Inneren Kindes anfühlen – und sind. Mit wachsender Erfahrung können wir immer besser unterscheiden, wann in uns ein erwachsener und wann ein kindlicher Anteil „spricht“.

Handlungsimpulse

Vielleicht entsteht während deines Versuchs, Kontakt mit deinem Inneren Kind aufzunehmen, ein Handlungsimpuls in dir: Dich verstecken wollen, etwas kaputt machen wollen, weglaufen wollen. Das kann ein Inneres Kind sein, das eine bestimmte Gefühlslage ausleben, abreagieren will. Wenn du die Möglichkeit hast, dem Impuls zu folgen ohne dabei dir oder anderen zu schaden, probiere es aus ruhig aus und beobachte, was es mit dir macht.

Körperliche Empfindungen

Manche Inneren Kinder sind noch sehr zurückhaltend (oder wir noch nicht feinfühlig genug, um sie gut wahrzunehmen – alles eine Frage der Übung). Dann melden sie sich auch mal in Form von einer körperlichen Empfindung. Einem Kribbeln, einem Ziehen, einem Schwindel, einer Übelkeit (jmeist sind die Empfindungen nicht so sehr angenehm…). Was wir dann tun können: Mit unserer Aufmerksamkeit bei der Empfindung sein. Richtig hinfühlen, wie das so ist. Das schult unsere Wahrnehmung für unser Inneres Kind.

Emotionen

Manchmal haben wir nach dem Versuch einen Kontakt zu unserem Inneren Kind herzustellen den Eindruck, unser Inneres Kind habe nicht reagiert. Was wir aber wahrnehmen, ist eine Veränderung in unserer Stimmung: Wir sind ängstlicher, trauriger, friedlicher, liebebedürftiger, … als zuvor. Auch diese zeitweisen Verschiebungen in unserer Gefühlswelt können ein Ausdruck unseres Inneren Kindes sein. Mit etwas Übung lernen wir immer besser, diese Nuancen wahrzunehmen und zuzuordnen.

Und wie geht es weiter?

Je besser du dein Inneres Kind wahrnehmen kannst, desto einfacher wird der Austausch zwischen euch. Je einfacher der Austausch zwischen euch ist, desto besser lernst du es kennen und kannst es unterstützen. Und mit deiner Unterstützung kann es heilen, kannst du heilen.

Und dafür sind wir ja hier: Heilung.

Ich wünsche dir einen immer besseren Kontakt zu deinem Inneren Kind.

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